Songbirds ... a family blogs!

Songbirds ... a family blogs!

Samstag, 9. Oktober 2010

Charlotte Mason Education


Eigentlich mag ich uns ja nicht in eine bestimmte Schublade stecken, dennoch sehe ich uns im Großen und Ganzen als 'Unschooler' - meine Kinder dürfen ohne Beschulung (außer erwünscht) und ohne Struktur und Lehrplan lernen.
Sie lernen in der Regel wann, wo und wie sie wollen, auch wenn sie sich gerade in der Schule bzw. im Kindergarten befinden (beide Einrichtungen folgen Wild/Montessori, so dass dies auch wirklich möglich ist).
Trotzdem ist es so, dass ich mich hin und wieder auch von anderen Lernphilosophien inspirieren lasse und das ein oder andere aufnehme und umsetze, wie es für uns passt.

Daher möchte ich heute gern die britische Lehrerin Charlotte Mason vorstellen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt, in England und in den USA aber einige Homeschool-Anhänger hat.
Charlotte lebte 1842 - 1923 und ich bin mir nicht sicher, ob sie als Reformpädagogin (wie z.B. Maria Montessori) bezeichnet werden könnte.
Auf jeden Fall lag ihr aber am Herzen, allen Kindern jeder Schicht eine gute Ausbildung zu gewähren.
Ihre Art von Unterricht unterschied sich gravierend vom normalen Schulunterricht, wie wir ihn kennen.
Zum Beispiel lehnte Charlotte Textbücher ab und ließ ihre Schüler Literatur lesen, die sich mit einem jeweiligen Thema beschäftigte.
Anstatt Abfragetests ließ sie Schüler mit eigenen Worten erzählen, was sie gelesen hatten, oder ließ sie es in einem Aufsatz zusammenfassen. Dabei kam es nicht so sehr auf eine perfekte Wiedergabe an, sondern vor allem auf die eigenen Gedanken, die sich das Kind zum Thema machte.
Lernen sollte in Charlotte's Augen so lebendig wie möglich sein, und das Kind dazu anregen selbständig Zusammenhänge zu erkennen, eigene Ideen zu entwickeln und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
Miss Mason legte Wert darauf, den Kindern wirklich gutes Material anzubieten, um sie herauszufordern und mit anspruchsvollen Themen in Berührung zu bringen.

Besondere Punkte ihrer Pädagogik:
Lebendige Bücher
Charlotte Mason ließ die Kinder Literatur lesen, in jedem Fach in dem dies möglich war. Lebendige Bücher fesseln und bereiten ein Thema spannend auf, so dass das Kind besser hineintauchen kann und nicht über trockenen Textbüchern sitzt und gegenüber dem Lernen negative und ablehnende Gefühle entwickelt.

Nacherzählen
Das Wiedergeben des Gelesenen in eigenen Worten empfand Charlotte als wichtig. Auf diese Weise behielten die Schüler das Gelesene besser, konnten beim Erzählen auch eigene Gedanken und Meinungen einbringen und Erzählen machte viel mehr Freude, als über einem Abfragetest zu sitzen, der am Ende auch noch benotet wurde.
Nacherzählungen konnte mündlich, schriftlich oder auch gezeichnet sein.

Positive Angewohnheiten
Miss Mason war davon überzeugt, dass positive Angewohnheiten dem Kind helfen würden, diszipliniert und selbständig zu lernen. Sauberkeit, Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit, Pünktlichkeit sind einige von den positiven Angewohnheiten, die Charlotte ihren Schülern antrainierte.

Kurze Unterrichtspannen
Für jüngere Schüler dauerte eine 'Unterrichtstunde' jeweils 20 Minuten; die Einheiten wurden länger, je älter die Schüler wurden.
Miss Mason war davon überzeugt, dass es besser war, sich für kürzere Zeit voll zu konzentrieren, als z.B. 45 Minuten nur halb bei der Sache zu sein.

Perfektion
Charlotte Mason erschien es sinnvoller, wenn ein Kind z.B. drei oder vier Buchstaben perfekt schrieb, als Seiten damit vollzumalen, und schon bald Konzentration und Lust zu verlieren.

Kunst/Musik
Genau wie in der Literatur sollten Kinder auch im Hinblick auf Kunst und Musik mit anspruchsvollem Material in Berührung kommen. Zum Beispiel wurde pro Trimester ein Künstler und ein Komponist gewählt (der zum jeweiligen Geschichtsabschnitt gehörte, der gerade durchgenommen wurde), und 6 Werke dieser Menschen angehört bzw. studiert. Ältere Schüler befassten sich auch mit dem Leben des Künstlers/des Komponisten.

Naturkunde
Charlotte schickte ihre Schüler direkt hinaus in die Natur, um etwas zu lernen. Die Kinder legten ein Naturbüchlein an, in das sie zeichneten und malten, was sie draußen fanden: Blumen, Bäume, Pilze, Insekten, Fische, Säugetiere, etc. Diese Zeichnungen wurden beschriftet, eventuell wurde dazu noch eine Notiz geschrieben oder ein passendes Gedicht zugefügt. Für ältere Schüler wurde das Naturstudium natürlich komplexer als das bloße Zeichnen und Malen.

Lyrik/Dichtung
Gedichte gehörten fest zu Charlottes Unterricht und wurden gemeinsam gelesen, jedoch nicht kritisiert, analysiert und auseinander genommen. Gedichte sollten für sich selbst stehen und die Kinder sollten die Chance haben, eine eigene Beziehung dazu zu entwickeln.

Geschichte und Geography
Diese Fächer wurden auch hauptsächlich durch Literatur, Biographien und Autobiographien gelernt. Lebendige Bücher sollten dem Schüler die Gelegenheit geben sich ganz mit einer Zeit, einer Person oder einem Ort zu verbinden.

Dies sind einige Punkte, die ich aufführen möchte. Es gibt sehr gute Bücher über Charlotte Mason und ihre Lehrmethode, die sich zu lesen lohnen und die vollständig zusammenfassen, wie Charlotte gelehrt hat und warum.

Auch wenn ich strukturiertes Lernen ablehne, mag ich trotzdem einige Aspekte aus Charlottes Philosophie. Ich picke mir hier und dort die Dinge heraus, die zu uns passen und die wir zusammen mit dem Freien Lernen umsetzen können.
Zufälligerweise interssieren mich auch gerade die Dinge, die Charlotte am Herzen lagen, wie Kunst, Musik, Literatur, Geschichte und die Natur, so dass ich mich wahrscheinlich deshalb auch zu ihren Ideen hingezogen fühle. :-)

Was wir Charlotte-Mason-mäßig in unseren Alltag einbauen werde ich demnächst in Einzeltposts näher erzählen. Bis dahin könnt ihr hier über Miss Masons Leben und ihre Arbeit lesen. :-)

CM-Homeschooler im Netz:

Here in the Bonny Glen

Living Charlotte Mason in California

Secular Charlotte Mason

Homeschooling Downunder