Songbirds ... a family blogs!

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Sonntag, 19. Oktober 2008

Selbstbestimmtes Lernen als Erwachsener

In der Homeschooling-Diskussion, überhaupt wenn es um's Lernen geht, dann ist immer die Rede von Kindern bzw. Jugendlichen. Als sei Lernen allein für die Kindheit reserviert. Dabei ist Lernen ein Lebensprozess, der niemals aufhört, der immer und überall stattfindet, egal ob ich 5, 15 oder 55 bin.
Wenn ich meinen Kindern selbstbestimmtes Lernen ermögliche, selbst aber in meiner Entwicklung stecken bleibe oder weiterhin schulisch denke/fühle/lerne, kann ich authentisch meine Kinder begleiten?
Kann ich überhaupt über selbstbestimmtes Lernen philosphieren, wenn ich es selbst nicht erlebe? Bin ich nicht weiter in Gefahr meine Wünsche auf meine Kinder zu übertragen, anstatt meine eigenen Schätze und Talente zu entdecken?

Ich nehme mal an, dass jeder Erwachsene wenigstens ansatzweise beginnt sich von alten Mustern zu befreien, wenn er beginnt, sich mit selbstbestimmtem Lernen zu befassen.
Aber reicht das aus?
Ich merke bei mir selber wie oft ich immernoch in 'schulmuster' denke und lerne. Wie wenig ich meinen inneren Impulsen und Gefühlen vertraue, wie verkopft ich bin.
Wie können wir diese Muster aufbrechen?
Wie können wir als Erwachsene wieder echt selbstbestimmt lernen und leben? Ist das überhaupt möglich?
Glaubt ihr, dass ihr selbsbestimmt lernt?

Ich habe das Gefühl - nein bin überzeugt, dass ich schon sehr viel selbstbestimmter bin, als ich es früher einmal war.
Nach meiner Schulzeit war es für mich ungeschriebenes Gesetz, dass man, wollte man etwas lernen, immer einen Lehrer brauchte. Ich traute mir selber nicht zu, etwas RICHTIG zu lernen, ich dachte, man müsste auf alle Fälle von irgendjemand professionellen belehrt werden, um etwas können zu können.
So habe ich viele Dinge fortgeschoben, die ich gern gemacht hätte, einzig und allein weil ich mir den Unterricht nicht leisten konnte.
Erst durch Lisas Vater entdeckte ich das Lernen wieder. (hatte ich im alten Blog schon einmal drüber geschrieben.) Ich erschloss mir den Computer, html, schreiben im 10-Finger-System, begann an neuen schwereren Klavierstücken zu arbeiten, brachte mir das Kochen und Brotbacken bei und noch vieles mehr.
Auf einmal gab es unendlich viele Möglichkeiten, so vieles zu entdecken, das Leben war so viel reicher.
Trotzdem blieben viele schulische Muster erhalten: das mich-selbst-bewerten, Vergleichen, Strukturiern, das Evaluieren (was ist wertvoller zu können/wissen, etc. im Hinblick auf das, was gesellschaftlich/schulisch erwartet wird - das spielt sich eher unbewusst ab), das Scheuen von Improvisation, Zurückgreifen auf schulische Lernmethoden, anstatt zu probieren und meinen eigenen Weg zu finden.

Ein gutes Beispiel dafür ist mein Gitarrelernen:
Zuerst konnte ich mich auf der Gitarre bis auf Akkorde garnicht zurechtfinden. Improvisieren fast unmöglich. Also habe ich mir Bücher besorgt und zuerst systematisch danach gearbeitet. Ich habe Erfolge erzielt, und hatte das Gefühl etwas zu schaffen, weil ich mich Übung für Übung durchs Buch arbeitete.
Ich dachte, wenn ich jeder Übung mache, dann ist das am besten.
Aber ich wurde unruhig und unzufrieden.
Es dauerte eine Weile, bis ich einfach anfing durch das Buch zu blättern und mir Stücke nach meinem Geschmack auszuwählen, egal, ob sie gerade dran waren oder nicht. Das machte mir wieder mehr Spaß, und ich machte wieder einen Schritt vorwärts.
Also wagte ich einfach ein anderes Buch mit schwereren Stücken, die eigentlich noch nicht 'dran' gewesen wären. Dennoch war es wesentlich erfüllender für mich an richtigen Stücken zu arbeiten, als Übungen zu machen.
Irgendwann begann ich zu Improvisieren, und es klappte viel besser, als zuvor. Es machte mir das erste mal Spaß!
Wieder ein Sprung nach vorn: Ich konnte meine Songbegleitungen etwas interessanter gestalten - nicht nach Notenbild, System oder mit Tonlehre im Hinterkopf, sondern nach Gehör.
Und so werde ich jetzt weiter arbeiten. Nach Impuls, nach Gefühl. Es hat mich viel weiter gebracht, als nach 'Schule' zu üben.

Die Frage ist: Kann ich das auch auf das erlernen einer Sprache anwenden?
Auf das erlernen von Tanz?
Und alles weitere?
Ich bin gespannt! :-)

Kommentare:

  1. hat mich angesprochen dein artikel.

    zuerst mal was das erlernen eines instrumentes betrifft. ich hab 3 jahre klavier gelernt, und war danach total enttäuscht, weil ich immer das gefühl hatte, dass mich meine klavierlehrerin unterdrückt, dass sie mich nicht schnell genug weiterkommen lässt.

    es war so: wir haben ein stück gemeinsam durchgemacht, und bevor ich das stück nicht so spielen konnte, wie sie sich das halbwegs vorgestellt hat, gingen wir nicht weiter zum nächsten stück. mir ging das alles immer viel zu langsam, ich langweilte mich. es war echt zeitverschwendung, und es hat mich damals wieder einmal bestärkt darin, eigentlich nur noch autodidaktisch lernen zu wollen, also lernen im selbststudium, weil ich dann bestimmen kann, was, wann, wo, wie, und wie schnell ich lerne, wo ich den fokus setzen möchte, usw...

    das man nun aber beim selber lernen, ähnliche schulische muster beibehält, dass ist mir auch schon aufgefallen. derzeit lese ich gerade ein über 400 seitiges buch über theaterpädagogik, und ich habe mich dabei ertappt, wie ich alles ganz genau lesen wollte, wie ich es mir selber fast verboten habe, passagen zu überspringen, die mich nicht so interessierten, oder die ich schon kannte von anderen büchern. man hat einfach angst, dass man beim überspringen von seiten etwas verpasst.

    ABER: je genauer man liest, und je weniger man überspringt oder überfliegt, desto länger braucht man, desto schneller ermüdet man auch, und die anfängliche begeisterung für etwas kann verschwinden. mir ist das bei der lektüre auch aufgefallen und bewusst geworden, und mittlerweile habe ich mir erlaubt ein paar kürzere uninteressantere passagen zu überspringen.

    die jüngeren leute entwickeln da aber teilweise schon bessere lösungsansätze. sie schauen zuerst mal ins wikipedia nach, um sich mal einen groben überblick zu verschaffen, bevor sie dann die bücher dazu lesen, oder texte. ich versuche auch, weniger perfekt und vollständig, und mehr nach eigenem gefühl zu lernen. nicht linear, sondern "modern". unter "modern" oder eben modernes lernen verstehe ich eben, dass man eine fähigkeit besitzt, bzw. erfahrung besitzt, dass man sich aus einem großem, fast unüberschaubaren wissensgebiet trotzdem möglichst schnell einen überblick verschafft, und dann die wirklich wichtigen sachen für sich herauspickt, nicht von Seite 1 bis zum Ende des Buches liest, sondern im Inhaltsverzeichnis des Buches oder beim durchblättern die interessanten sachen für sich selbst entdeckt und findet. das gefühlsmäßige und auch zufallsmäßige finde ich in dem zusammenhang auch sehr wichtig.

    mir hilft das jetzt auch sehr, dass ich von dir gehört habe, dass es dir auch so geht, und ich eben nicht allein bin mit meinem problem des scheußlich verschulten lernverhaltens, dass einem leider verinnerlicht wurde, und von dem es sich zu entledigen gilt.

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  2. Ich hatte 10 Jahre Klavierunterricht - klassischen, und was das bewirkt hat, kann man sich denken. ;-)
    Nein, ehrlich, ich habe sehr gern gespielt, war aber total abhängig vom Lehrer und dessen Urteil.
    Und: natürlich konnte ich auf dem Klavier nicht improvisieren. ich war auf dem Instrument nicht frei.
    Das habe ich erst ca. 2-3 Jahre angefangen, nachdem ich mit dem Unterricht aufgehört hatte. Trotzdem fühle ich mich immer noch wie in einer Art Rahmen eingequetscht, wenn ich spiele. (Habe jetzt allerdings einige Jahre kein Klavier mehr gespielt, mangels Instrument. Wer weiss wie's heute wäre?)

    Das mit dem Lesen kenne ich. Allerdings habe ich das in der Schule schon ein bisschen so gemacht, und in der Uni dann so richtig. Vielleicht bin ich ja beim Lesen auch etwas freier, weil ich es mir selber beigebracht habe? (vor der Schule, weil ich mit 7 dann erst eingeschult wurde)

    Ich hoffe, dass ich mich noch mehr befreien kann. Freies Lernen ist doch um so vieles effizienter! :-)

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  3. Isla: kannst du das noch bitte genauer beschreiben mit dem lesen, weil du geschrieben hast, dass du das dann in der uni so richtig gemacht hast (mit dem lesen). was meinst du mit "das so richtig gemacht"?

    ich würde annehmen, texte überfliegen und frei mit texten umgehen, ist damit gemeint, aber mich würde das noch genauer interessieren, ob es da spezielle tricks oder erfahrungen von dir gibt, die du vielleicht weitergeben könntest :-)

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  4. ja, mit Texten freier umgehen, Hauptgedanken lesen, aber nicht alles Wort für Wort, so kann man sehr schnell lesen, und sich die Hauptgedanken notieren.
    bei 1000sunny hatten wir darüber schonmal diskutiert. Musst Du mal nachschauen.
    Ich lese Bücher (außer Romane) inzwischen auch kreuz und quer, das habe ich in der Schule teilweise schon gemacht, aber geglaubt, dass das eben nicht 'richtig' ist.

    Noch etwas lustiges aus meiner Gymnasium-Zeit: In einer Deutscharbeit schrieben wir über ein Buch, was wir lesen sollten. Da ich immer viel gefehlt habe, war mir das Durcharbeiten entgangen, und gelesen hatte ich das Buch nicht, weil es mich nicht interessierte. Ich las morgens vor der Stunde noch eine Zusammenfassung/Inhaltsangabe, die eine Freundin verfasst hatte.
    In der Arbeit habe ich eine 2 geschrieben. :-)
    War vielleicht Glückssache, aber irgendwie auch typisch für meine Schulzeit.
    Im Geschichtsunterricht habe ich unheimlich viel versäumt. Aber da mich Geschichte immer schon interessiert hat, habe ich zu Hause viel dafür getan und schrieb in den Klausuren einser. (den Unterricht hatte ich also nicht gebraucht).

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  5. danke.

    die "frechheit" oder "unkonventionalität" (eben fast ohne lernen trotzdem gute noten zu schreiben, und so...) hatte ich leider in der schule im gymnasium noch nicht so drauf. es wurde einem viel gelernt, aber solche dinge wollten oder konnten sie einem nicht beibringen. einmal ist es mir von selbst passiert, dass ich am vortag einer abgabe noch fast nix hatte, und ich dann gemeinsam mit meiner mutter improvisieren musste, und es total schrecklich war, was dabei herauskam (zumindest dachte ich das). wir haben in 2 stunden in einer "notfallaktion" das gemacht, wofür andere 8 stunden oder so gebraucht haben. als ich es dann am nächsten tag abgegeben habe, war der lehrer total begeistert davon, hat gemeint es wäre künstlerisch und total genial, und hat mir ne eins gegeben :-)

    das ist auch eigentlich meine art. ich mache etwas unkonventionell, gehe frei damit um, und es wird total gut.

    gelingt mir zwischenzeitlich sehr gut, dann bin ich aber auch mal wieder unmotiviert, wegen der schulmeisterlichen schulmeister, mit denen man täglich zu tun hat, aber langsam wache ich wieder auf.

    danke nochmals sehr für deinen artikel isla

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  6. Als Erwachsener kann man sich den Luxus leisten, sich mit dem zu beschäftigen, was einen wirklich interessiert. Dann sind Motivation und Erfolgserlebnisse natürlich ganz anders als in den quälend langen Jahren, die man in der Schule mit ungeliebten und nie verstandenen Fächern verbringen musste.
    Was ich wichtig finde an Deinem Artikel: dass man sich als Erwachsener überhaupt noch weiterbildet, neugierig ist und sich intensiv mit Unbekanntem beschäftigt. Grosses Vorbild dazu ist für mich mein Vater, der nach einem arbeitsreichen Leben als Arzt nochmal an die Uni gegangen ist, um Geschichte und Germanistik als Gasthörer zu studieren. Ich glaube, wenn die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, nicht mehr da ist, wird man wirklich alt!
    Danke für wieder einen tollen Artikel!

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